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Rudolf Bönsch

Schwerer Weg durch denVersicherungsdschungel

Rudolf Bönsch im Interview

Rudolf Bönsch, Versicherungs-Mathematiker, ist selbstständiger Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Finanzdienstleistungen. Seit über 30 Jahren beschäftigt er sich mit Vorsorgen und Versichern. Im Interview mit www.wie-ich-will.de gibt er Tipps zum Thema Versicherungen.  

wie-ich-will.de: In Kranken-, Unfall-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung besteht überwiegend Versicherungspflicht. Reicht der gesetzlich vorgeschriebene Versicherungsstock aus?
Rudolf Bönsch: Ob man pflichtversichert ist, hängt vom eigenen Beschäftigungsstatus ab. Übrigens wird im Bereich der Krankenversicherung ab 01. Januar 2009 eine private Krankenversicherung auch für nicht gesetzlich Pflichtversicherte vorgeschrieben. Damit kann man davon ausgehen, dass in Deutschland jeder ausreichend krankenversichert ist und versorgt wird. Das ist einmalig in der Welt. Gerade jetzt, wo das Gesundheitssystem System wieder einmal in der Kritik steht, muss man das zur "Ehrenrettung" unseres Systems einmal sagen.  

wie-ich-will.de: Und wie ist es in den anderen Bereichen des Sozialversicherungssystems? Ist da der gesetzliche vorgeschrieben Standard auch ausreichend?
Rudolf Bönsch: Renten- Pflege- und Unfallversicherung sind keine Vollkaskoversicherungen. So sind die Rentenansprüche beispielsweise nicht auf das letzte Einkommen bezogen und die gesetzliche Pflegeversicherung ist schon immer als Teilversicherung konzipiert. Daher können hier Versorgungslücken auftreten, die man durch private Zusatzversicherungen schließen sollte.

wie-ich-will.de: Diese privaten Versicherungen sind also unerlässlich?
Rudolf Bönsch: Ja, im Prinzip schon. Diese Personenversicherungen sind unerlässlich. Um seinen Versicherungsschutz sollte man sich auch frühzeitig kümmern, da mit zunehmendem Alter zum Einen die Beiträge steigen und man zum Anderen weniger Chancen hat, überhaupt noch versichert zu werden. Ein Beispiel ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Mit zunehmendem Alter wird es deutlich schwerer, wenn nicht unmöglich, einen Versicherer zu finden. Der Grund ist das mit zunehmendem Alter steigende Risiko einer Berufsunfähigkeit.

wie-ich-will.de: Das sind also die Personenversicherungen. Was ist darüber hinaus notwendig?
Rudolf Bönsch: Unbedingt notwendig ist eine Privathaftpflichtversicherung, die jeder haben sollte. Angesichts der sehr niedrigen Beiträge dürfte das auch für niemanden ein Problem darstellen. Diese Versicherung kann einen aber im Zweifelsfall vor dem finanziellen Ruin schützen.  

Außerdem wichtig sind noch die Hausratversicherung und für Eigenheimbesitzer die Gebäudeversicherung. Wenn Sie ein Auto haben, dann ist die KFZ-Haftpflicht-Versicherung gesetzlich vorgeschrieben.  

wie-ich-will.de: Zu welchen Versicherungen würden Sie älteren Menschen darüber hinaus raten?
Rudolf Bönsch: Im Prinzip ändert sich im Alter nichts. Der Versicherungsbedarf als solcher bleibt der Gleiche. Allerdings steigt beispielsweise die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheiten oder Pflegebedürftigkeit eintreten, stark an. Deshalb sollte man generell früh vorsorgen, auch weil im Bereich der Personenversicherungen die Beiträge sehr hoch sind, wenn man sich erst spät für eine Versicherung entscheidet.  

Zusatzversicherungen, beispielsweise um sich für Krankenhausaufenthalte einen Einzelzimmer- oder Chefarztbehandlungsanspruch zu schaffen, sind Geschmackssache. Da sollte jeder individuell entscheiden, ob er darauf Wert legt. Bei Reisen ins Ausland sollte man aber unbedingt eine Auslandskrankenversicherung haben. Im Ausland zählt häufig nur Bares.  

wie-ich-will.de: Haben Sie eine Entscheidungshilfe, um zu definieren, was für jeden individuell sinnvoll ist?
Rudolf Bönsch: Die wichtigste Faustregel ist, sich zu überlegen: Was bedeutet es für mich wirtschaftlich wenn der Versicherungsfall eintritt? Ein Beispiel: Wer ohnehin eine halbe Million auf dem Konto hat, dem werden 30.000 Euro, die er zum Beispiel bei einem Wohnungsbrand für die Wiederbeschaffung des Mobiliars zahlen muss, nicht so viel ausmachen. Wenn Sie nicht ausreichend viel Geld auf der hohen Kante haben, so sieht da schon ganz anders aus.  

Über diese Faustregel hinaus sollte man, beispielsweise im Bereich Rente, einbeziehen, wie hoch die eigenen gesetzlichen Ansprüche sind und wie viel man damit schon abdecken kann.

wie-ich-will.de: Die Versicherungslandschaft wird immer undurchsichtiger. Kann man sich da selbst überhaupt noch zurechtfinden?
Rudolf Bönsch: Für den Laien ist die Materie in der Tat relativ undurchsichtig. Zum Einen besteht eine riesige Auswahl an Anbietern mit vielfältigen Produkten; zum Anderen ist für den Laien aus den zumeist juristischen Formulierungen nur schwer herauszulesen, was das konkret bedeutet.  

wie-ich-will.de: Wie findet man denn dann eine gute Versicherung?
Rudolf Bönsch: Eine erste Orientierung liefern beispielsweise Ratgeber oder Tests, wie sie die Stiftung Warentest durchführt. Versicherungsmakler sind meist eine bessere Anlaufstelle, um sich beraten zu lassen, als Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft. Denn Versicherungsmakler sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Kunden objektiv zu beraten. Mitarbeiter der Versicherungsgesellschaften hingegen haben natürlich vor allem das Interesse, die Produkte ihrer Gesellschaft zu verkaufen. Ähnliches gilt für Banken, die auch Versicherungen anbieten. Es gibt hier wie da gute und schlechte Berater. Leider steht es den Menschen nicht auf die Stirn geschrieben. So müssen Sie selber herausfinden wer der bessere Berater ist.  

wie-ich-will.de: Worauf ist sonst noch zu achten?
Rudolf Bönsch: Auf kurze Laufzeiten! Damit erhält man sich die Option, die Versicherung zu wechseln, sollte man merken, dass sie sich nicht mit den eigenen Bedürfnissen deckt. Natürlich geht das nicht bei Renten- oder Lebensversicherung. In der Sachversicherung aber sollte man darauf achten, dass die Laufzeiten so kurz wie möglich sind.  

In meinem Berufsleben hat es sich auch immer wieder erwiesen, dass es nicht unbedingt ratsam ist, alle Versicherungen bei demselben Anbieter abzuschließen.Ist man unschlüssig, kann es außerdem helfen, sich mehrere Meinungen einzuholen und verschiedene Berater zu konsultieren.

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